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Sinnlichkeit des Handwerks Domus Antiqua an der Cultura Suisse

08. April 2026

Bloss nicht über die Schnur hauen! Denn schnell ist es geschehen, und das Breitbeil ist scharf. Für einmal ist die Redewendung «über die Schnur hauen» ganz wörtlich zu nehmen. Sie stammt nämlich aus der alten Zimmermanns-Sprache: Mit der gespannten Schnur wird die Linie markiert, wo der runde Stamm zum eckigen Balken behauen werden soll. Wenn man nicht richtig zielt, haut man eben über die Schnur ins Holz, das intakt bleiben soll.

Solche urtümliche Zimmermannskunst in Aktion war an der Cultura Suisse zu bewundern, die vom 25. bis 27. März 2026 in Zürich-Oerlikon stattgefunden hat. Die Fachmesse für Museen, Denkmalpflege und Kulturgüter wurde bereits zum fünften Mal durchgeführt; nach Bern erstmals in Zürich, und zwar mit vollem (Publikums-) Erfolg. Domus Antiqua Helvetica war mit von der Partie, eingebettet in den Gemeinschaftsstand von Netzwerk Kulturerbe Schweiz. Wir hatten Gelegenheit, auf unseren Verein aufmerksam zu machen, viele interessante Kontakte zu knüpfen, vielleicht gar Neumitglieder zu motivieren.

Das Eindrücklichste der Messe war für mich der Werkplatz, auf dem altes Handwerk in Aktion zu sehen war. Neben dem Abbund-Platz der Zimmerleute (Verein Fachwerkerleben) wurden Terrazo-Mosaike gefertigt, Kalk gelöscht, Gefache verputzt, Kachelöfen gesetzt, Fenster instandgestellt, Malereien restauriert, Beschläge geschmiedet, und was der Handwerksberufe in der Denkmalpflege mehr sind. Begeistert ob der Leidenschaft und Sinnlichkeit, die vom althergebrachten und zugleich wieder modernen Handwerk ausgehen, möchte man sich gleich selbst in ein neues Bauprojekt stürzen!

Neben den Aussteller-Ständen bot die Cultura Suisse ein reichhaltiges Seminar- und Referatsprogramm vom «Vermeiden von Bauschäden bei der Sanierung historischer Gebäude» über «die Rückkehr des römischen Zements – neue Wege in der Feuchtsanierung» und «Wege von der Restaurierung zu einer nachhaltigen Pflegekultur» bis zu «neuen Perspektiven für sakrale Räume: Neunutzung von Kirchen und Klöstern».
 
Martin Breitenstein